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Weimar: GRÜNE JUGEND THÜRINGEN spricht sich gegen Koalitionsversprechen an SPD und LINKE aus Landesmitgliederversammlung in Weimar beschließt Anträge zu Mutterpartei, Netzpolitik und eigenem Grundsatzprogramm

Auf ihrer Landesmitgliederversammlung am vergangenen Wochenende in Weimar hat sich die GRÜNE JUGEND Thüringen klar dafür ausgesprochen, dass sich die grüne Mutterpartei nicht in Abhängigkeit von SPD und LINKE begeben darf. Damit reagiert die GJ Thüringen auf Aussagen des Bundesvorstands der GRÜNEN JUGEND, die Koalitionen ausschließlich mit SPD und LINKE für vertretbar erachten. Die Einengung der möglichen Koalitionspartner auf diese beiden Parteien für Landes- und Bundesebene ignoriert jedoch die enormen inhaltlichen Konflikte mit SPD und LINKE vor allem in den Bereichen Industrie, Kohle und Außenpolitik. Das grüne Profil würde durch eine solche Selbstbeschränkung nicht geschärft. Vielmehr würde die bedingungslose Koalitionsgarantie an SPD und LINKE die grüne Verhandlungsposition maximal schwächen und in der Konsequenz das grüne Profil bis zur Unkenntlichkeit verwässern.

Wichtige Themen der Landesmitgliederversammlung waren daneben die Bereiche Bildung, Wirtschaft, Gesundheit, Datenschutz und Genderpolitik des neuen Grundsatzprogrammes der GJ Thüringen sowie Forderungen an den Bundesverband der GRÜNEN JUGEND im Bereich Netzpolitik.

Außerdem konnte ein neuer Regionalverband in Pößneck in die GRÜNE JUGEND Thüringen aufgenommen werden - neben den kontinuierlich steigenden Mitgliederzahlen ein weiteres Zeichen dafür, dass Grün auch abseits der Thüringer Städtekette etwas ist, wofür sich immer mehr Menschen einsetzen wollen.

Alle Anträge der Landesmitgliederversammlung sind einsehbar unter:

http://wiki.gruene-jugend.de/index.php/Thueringen:_1._LMV_2011

Bericht Netzpolitischer Kongress (12.-13.11.2010)

Eines unserer Mitglieder nahm am Wochenende am Netzpolitischen Kongress von B90/Die Grünen teil, hier ein Bericht!

Mit über 700 Anmeldungen und vielen namhaften Referenten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung versprach der Netzpolitische Kongress der Grünen unter dem Titel “Gesellschaft digital gestalten” eine der bisher größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland zu werden. Themen wie OpenGovernment, soziale Teilhabe am Netz, Netzneutralität, Kriminalität, Datenschutz, Journalismus und Öffentlichkeit im WWW, Green IT, Verbraucherschutz, internationale Netzpolitik, Menschen- und Bürgerrechte, Generationen- und Geschlechtergerechtigkeit im Netz aber auch offene Geschäftsmodelle im Web standen auf der Agenda.

Beginnend mit der Soziologin Saskia Sassen, die eine OpenSource Gesellschaft forderte in der die Bevölkerung (auch Subcommunities) zur Teilnahme am digitalen Leben “ermächtigt” wird, folgte Reto Hilty der über Urheberrechte forscht und einen in meinen Augen interessanten Vorschlag zur Lösung der Machtasymetrie und Ausbeutung der Kreativen machte: Zwangslizensierung. Ein Werk muss von einem Verleger auch an Konkurrenten lizensiert werden. So wird einer Exclusivität vorgebeugt und es kommt zu Qualitätswettbewerb – wir EmpfängerInnen profitieren – ein fairer Interessenausgleich.

Markus Beckedahl (www.netzpolitik.org) und Kristian Kroll (www.ecosia.org) stellten indes vor, wie man mit offenen Geschäftsmodellen erfolgreich gründen kann – Dienstleistung und Support statt Geheimniskrämerei um die Funktionsweise der Produkte bzw. Restriktion der KonsumentInnen. Diese sind vielmehr eine Quelle von Ideen für die ProduzentInnen. Freie Lizenzen wie Creative Commons bilden hier die Grundlage für ein solches Wirtschaften.

Peter Schaar ging es entsprechend seiner Position um den Datenschutz in einem Netz der unbegrenzten Informationsverarbeitung. Es sollte ein Interessenausgleich zwischen den einzelnen Akteuren (Private, Wirtschaft, Staat) stattfinden, indem die Würde der Menschen und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gewahrt bleibt. Ob dies allerdings mit seiner Vorratsdatenspeicherung “light” gelingen wird, blieb heftig umstritten.

Die zukünftige Verfassungsrichterin Susanne Baer ging weiterhin der Frage, ob das Grundgesetz, so wie es besteht den Anforderungen einer vernetzten Gesellschaft gerecht würde. Sie attestierte Fittness und zwar auf drei Gebieten:

1. Zugang/Teilhabe für alle und Netzneutralität
2. Gleichbehandlung der TeilnehmerInnen
3. Selbstbestimmung der eigenen Person

Sie macht jedoch auch auf klar, dass im Falle der Überwachung von Individuen durch Firmen, das GG nur mittelbar zum Einsatz käme und der Gesetzgeber dort in anderer Form gefordert sei.

Open Government beschäftigte Marleen Stikker auf ihrem Vortrag. Es seien enorme Verbesserungen und Einsparungen im öffentlichen Sektor möglich, insofern die Verwaltung ihre (Roh-)daten den BürgerInnen zur Verfügung stellt. Warum soll nicht die Zivilgesellschaft Lösungsansätze für ihre Probleme selbst finden? Visualisierung in tollen Applikationen bring Menschen zum Nachdenken. Dafür jedoch ist Transparenz nötig – es ist notwendig zu wissen, was der Staat über mich selbst weiß.

Kurt Opsahl brach daraufhin eine Lanze für offene Standards. Nur so ist es möglich eine Demokratisierung des Internets und einen globalen Austausch zu ermöglichen, was wiederum Innovation (oberhalb dieser Standards) und Vielfalt ermöglicht. Ein sehr erhebender Gedanke – auch nicht neu.

Doch eine e-only Democracy wird und soll es auch nicht geben, da waren sich die letzten Panelisten (u.a. Jürgen Trittin) einig. Zugangshürden müssten noch weiter gesenkt werden um eine digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

Hier noch in aller Kürze ein Überblick über meine beiden besuchten Workshops:

W5 Open Access im Wissenschaftsbereich

Die Macht der Verlage ist unbestritten. WissenschaftlerInnen haben keinen Markt in dem sie Ihre Publikationen anbieten können. Preissteigerungen, Monopolisierung und Abgabe der kompletten Rechte an die Verlage sind die Folge. Es braucht neue Modelle. Eine Wissenschaftsallianz stärkt Interessen der Autoren und versucht dass das einfache Nutzungsrecht (CC-by -Lizenz) nach der Veröffentlichung zu bekommen – Open Access. Es gibt zwei Wege dorthin:

* Goldener Weg

Eine Publikationsgebühr wird an die Verlage von der AutorIn oder der Institution bezahlt und damit sind alle Kosten im Vorfeld abgedeckt.

* Grüner Weg

NutzerInnen müssen weiterhin den an Verlag bezahlen für das Werk, in einer Rohform wird es jedoch veröffentlicht und ist auch zitierfähig, wobei ein Verweis auf die Originalveröffentlichung Pflicht ist.

Zweit sehr interessante Ansätze für die mit Steuergeldern finanzierte Forschung.

W8 Datenschutz 2.0 im Web 2.0

Provokant gefragt: Ist Datenschutz Bevormundung? Schließlich leben wir in einer freien Gesellschaft. Diese Frage kann jedeR für sich beantworten, doch Datenschützer müssen übergreifende Regelungen finden und die BügerInnen vor den staatlichen Stellen und privaten Akteuren schützen. Wer möchte schon opportunistisches Verhalten? Dafür braucht es eine umfassende Datenschutzreform in der klare Schutzziele wie die Unverkettbarkeit der Daten und geschützte Räume enthalten sind. Schließlich bedarf es einem Gesetzesvorbehalt: Datenerhebung ist entweder per Gesetz erlaubt oder eine explizite Einwilligung ist erforderlich. Dahingehend muss auch das Web 2.0 (bspw. soziale Netzwerke) mit ihren Standardeinstellungen datenschutzfreundlicher werden.

Quelle:

Ein verstahltes, bittersüßes Wochende. Zwischen Aktivierung und Abschalten, Aktion und Festival

Uns erreichte die Tage ein Bericht eines Anti-Atom-Aktivisten, zu den anti-Castor-Protesten im Wendland. Hier könnt ihr ihn nun durchlesen.


[…]
nun, in einer vorlesung lernte ich vor kurzer zeit gregor (Name geändert) kennen, der die
gleiche fächerkombi wie ich studiert und von der grünen jugend abstammt. er
stellte mich abends ein paar aktiven freunden aus ganz verschiedenen ecken
vor. aktionsnetzwerk gegen rechts, umweltverein etc. ich war beim flyer
verteilen für das anti-castor-plenum jena letzte woche mittwoch. an jenem
abend lernte ich ein mädchen kennen, die am freitag wie ich noch uni hatte
und erst später fahren konnte […]. wir inserierten eine mitfahrgelegenheit per zug im internet
und fanden noch drei weimarer studenten die mit uns kamen.

In salzwedel trampten wir dann zu zweit weiter. mitgenommen wurden wir von
einer originalen wendländer-uraktiven-familie. mutter holte grade mit ihrer
tochter die zweite tochter vom bahnhof ab. wir hatten keine wahl als mit
ihnen auf ihren hof zu fahren und dort abendbrot zu essen.

der vater saß auch schon mal wegen seiner aktivitäten besonders zu
castor-zeiten in gewahrsahm. die kinder kommen extra aus den verschiedensten
ecken der republik zu diesem traditionellem großereignis.

so mit offenen armen und dankbarkeit für die unterstützung begrüßt zu
werden, hätten wir uns nie träumen lassen. unglaublich. der vater erzählte
dann auf meine nachfrage aus den anfängen.

wer fährt zum ersten mal in seinem leben spontan ins wendland, wird zum
essen aufm hof eingeladen und lernt direkt einen der mitbegründer der freien
republik wendland von 1977 kennen? er erzählte von den bohrungen des
projektes 1004, dem gülle-wiederstand der bauern gegen eben jenes projekt
zur endlagerung vom atommüll, vom holzdorfbau, vom GSG9 einsatz, den
bulldozer-aktionen und den darauf folgenden bewegungen, aktionsbündnissen
und den vergangenen 33 jahren, die er schon aktiv miterlebte. man fühlte die
aufregung im haus und bei den nachbarn, das telefon stand kaum still,
ständig freunde, infos, presse und nachbarn die sich organisierten wann sie
mit den treckern los wollen.

die familie brachte uns beide bis zum camp hitzacker. abends feierten wir in
ausgelassener art und weise, genossen das unglaubliche festivalgefühl und
nahmen uns nochmal zeit vor den nächsten tagen einfach frei zu sein :)
atomkraft wegbassen war die aktion im camp hitzacker, mitorganisiert vom
kulturkosmos müritz, der gleiche verein, der auch das fusion-festival in
lärz auf die beine stellt. Mit von der party waren die bachstelzen, ein teil
der fusion.

Romi (Name geändert), meine begleitung aus jena kannte all diese leute auch, was dem abend
noch einen weiteren tiefgründigen akzent verlieh. das ging alles nicht
solange, schließlich waren wir ja nicht zum feiern ins wendland gekommen.
aber wie 68 schon die parole lautete: es soll ja nicht nur politik sein,
sondern auch spaß machen. (die fetten jahre sind vorbei – der film läuft
insziniert läuft auf der bühne im vtr, waren sie schon da?)

Die Camps leben übrigens im Anarchiesystem. Jeder packt mit an, dafür wird
keiner kontrolliert und überwacht. Es gibt keine regeln und doch hält sich
jeder an den nötigen Anstand. Das essen kam von der Volxküche, die sich
durch spenden und selbstbeteiligung finanziert. Gekocht wurde ausschließlich
vegan. Und das essen war verdammt gut! Suppen, brot, aufstriche, kaffee,
tee, kuchen – rund um die uhr.

samstag fand dann die großkundgebung statt in dannenberg. ansich hörte man
dort das wesentliche in der presse. interessant wurde es wieder am sonntag
morgen um 7, als wir im camp ein blockadetraining hatten. wir organisierten
kleinere bezugsgruppen von 7-10 aktivisten(ich schätze ab da war man dann
einer ;) ) und brachen mit geschätzten 1000(sehr wage zahl von mir, aber in
dem bereich bewegte sich das!!!) menschen auf zu den schienen. weit kamen
wir nicht, im dorf hitzacker machte die staatsgewalt dicht, kesselte uns ein
und all unsere bemühungen mit der gruppe “biernot” die sperren zu umgehen
schlugen fehl. durch rechtshilfen, juristischen gesprächen etc. wurde die
blockade seitens der polizei dann aber kurze zeit später aufgelöst. wir
waren ja offiziell auf dem weg zur mahnwache, die zufälligerweise neben der
schienenstrecke stattfand.

Die polizei hatte den weg natürlich mitverfolgt und riegelte die gleise ab.
Im wald angekommen gab es dann einige rangeleien mit der polizei, aber weder
schlagstock noch pfefferspray- oder gaseinsatz. Wir zogen den gesamten zug
möglichst weit in die breite entlang der schienen, um die polizei zu nötigen
sich zu verteilen und größere lücken aufzutun. Dann noch schnell einen
polizisten in eine diskussion verwickeln und schwupps sind 10 andere durch.
Das war aber so gut wie nicht mehr nötig, denn mit einem solch großem
auflauf an menschen hat wohl keiner gerechnet.

Wir nahmen platz, rückten zusammen, wurde gefilmt, aufgefordert die gleise
zu verlassen und so weiter. Aber eines konnte niemand verhindern – das wir
immer und immer mehr wurden. Immer wieder kamen zu unser kleinen 15mann
gruppe ganz vorn mehrere 100 leute die böschung runter und wurden von uns
freudig empfangen. Irgendwann konnten sie sich auch ohne weiteres vorne
dransetzten ohne gegenwehr der polizei.

Die ersten zwei stunden war es auch ratsam sich nicht vom fleck zu rühren.
Schließlich wusste keiner, ob die polizei nicht auflöst und räumt, solange
wir uns noch nicht total vermehrt haben. Aber nichts passierte, ganz im
gegenteil, wir führten einige sehr spannende und „gewaltfreie – verbale“
gespräche mit polizisten. Ich unterhielt mich mit einem -langhaarigen
polizisten- über seine berufswahl, ob er damit zufrieden sei, wieso man
solch einen job annimmt, möglicherweise selbst gegen die atompolitik ist und
wie er mit gewalt unter kollegen umgeht. Sehr spannende sachen und
interessante antworten. Es sei halt sein job. Er mache sich keine gedanken
über alternativen und gewalt wäre schon ein größes thema in der polizei
selber aber seine einheit sei sauber. Im verlaufe diesen tages hatte ich so
stark wie nie das gefühl, zu wissen, welchen job ich nie im leben machen
werde. Bundespolizist werden….

Wir wurden immer mehr und mehr, bis die masse absolut nicht mehr zu
kontrollieren war. Die polizei rüstete auf, baute beleuchtungssysteme auf,
zog sich immer wieder zurück und rückte neu auf, wechselte die besatzung,
verstärkten sich, ließen spezialeinsatzhubschrauber in kollonne kreisen aber
alles blieb letztenendes friedlich, jedenfalls soweit das was ich sah und
mitbekam.

Gegen mittag bis zur dämmerung hatte sich die aktion verbreitet wie ein
lauffeuer. Die bauern und bewohner der umliegenden dörfer packten sämtliches
hab und gut, was sie entbehren konnten zusammen und verteilten es an uns,
kamen mit öfen, decken, suppen, broten, getränken und noch mehr menschen
vorbei. Diese gastfreundschaft war mal wieder unfassbar.

Es war nach einer gewissen zeit absolut kein problem mehr, sich einfach frei
zu bewegen, wie es einem passte. Nach einigen minuten kurz nach unser
besetztung der schienen schlossen sich die zwei entstandenen blockaden
zusammen. Nach 5 stunden etwa waren 2km mit über (zahlen aus
wiedersetzungskreisen) 6000 menschen besetzt.

Die eigentlich mitreißende stimmung kam nachts auf. Die temperatur sank
stetig, die stimmung stieg. Solch einen erfolg haben auch die seit 30jahren
demonstrierenden wendländer noch nicht gehabt bei einer sitzblockade. Und
das dann mitzubekommen ist bestätigung und motivation genug um überwältigt
zu sein.

Die atmosphäre war fröhlich, aktiv und aufregend. Berauschend und
aufwühlend. Kalt wars natürlich, aber durch tanzen, ablekung verschiedenster
art kann man das ausblenden und durchstehen. Ich lernte sehr interessante
menschen kennen. lehrer, schüler, studenten, eltern, freunde – personen
verschiedensten alters. Von 5 bis 70 jahren war da alles vorhanden. Zusammen
friedlich und überzeugt für eine sache zu stehen ist ein gefühl, was man nur
selten hat, denke ich.

Auch wenn ich weiß, dass es nur in diesem kleinen rahmen funktioniert war es
doch eine art von realem sozialismus, in dem man alles teilte und jeder
jedem half. Jeder gleich war vor dem, was er besaß und wofür er aus
überzeugung stand. Das gefühl ist unbeschreiblich. So gab es genug zu essen
und genug zu trinken.

Unabdinglich bei sowas ist ist musik. Stimmungsfaktor und auch für die wärme
essentiell. Ich hab mit gleichaltrigen getanzt, mitt50er in die welt des
minimals und des electros eingeführt, mich zu klezmer-ähnlicher blasmusik
und den samba-trommlen bewegt. Immer wieder hörte man im vorbeigehen
gitarren, ab und an kam ein dudelsackspieler vorbei, eine saxophon spielerin
ging auch regelmäßig die gleise auf uns ab. Überall brannten feuer, die
menschen schliefen dicht an dicht auf den schienen, wärmten sich unabhägig
von herkunft und unabhängig davon ob man sich nun kannte oder nicht
gegenseitig. Die polizei zog sich mit der dämmerung auf die beidseitigen
anhöhungen zurück und die schneise war 10 stunden lang unser erobertes
staatgebiet mit unseren regeln.

Um ca. 1 uhr kam die durchsage der bevorstehenden räumung mit der ansage,
dass alle die die schienen verlassen, egal ob friedlich, gewaltsam,
friwillig, getragen oder abgeführt in einen kessel kommen werden, bis der
castor in der umladestation in dannenberg ist. Ich kalkulierte dafür 5-6
stunden bis die räumungsaktion bei uns vorne sein wird und entschloss mich
um 3 dazu, vorzeitig noch vor einer einkesselung zu gehen. Klar, damit hatte
die polizei mich da, wo sie mich auch haben wollte, aber der erfolg war da
schon groß genug. Ich hatte im verlaufe der blockade Jana (Name geändert) kennengelernt,
die aus der nähe kommt, in hamburg studiert und die ich anrief, als ich auf
dem weg durch den wald zwei hamburger traf, die mir erzählten, dass sie am
montag nach hause müssten an und organisierte einen warmen schlafplatz für
uns sowie eine mitfahrgelegenheit für die beiden und mich nach lüneburg. Wir
kamen aus dem wald raus und standen vor dem acker, über den wir am morgen
noch gelaufen sind, auf dem die reiterstaffel die eine frau umgerannt
hatte(vllt in den medien gehört?!) und welcher damals noch als acker zu
identifiezieren war. Jetzt bot dieser acker ein unfassbares bedrückendes
bild. Bis zum horizont war die senke angefüllt mit wasserwerfern,
mannschaftswagen, polizeizelten, räumungspanzern und krankenwagen. In der
mitte ein hell beleuchterer bereich, umstellt mit einsatzwagen, stoßstange
an stoßstange, als provisirisches „gefängnis“ für die aufzufangenden massen.
Mir wurde noch kälter, als ich daran dachte, dass meine vielen neuen freunde
dort bis möglicherweise weit in den montag rein dort nächtigen müssen.

Ich nächtigte die zwei verbleibenden stunden der nacht bei marlene, sie
brachte mich in den morgenstunden nach lüneburg und ich fuhr mit dem zug
total erledeigt zurück in den ort der bildung – nach jena.

Was bleibt ist ein zwar abnehmendes aber unbeschreibliches gefühl der
eindrücke. Es fällt mir sehr schwer, wieder anzukommen. Dieses wochenende
war mehr als nur ein demowochenende, wie leipzig vor 2 wochen. Es war weit
mehr als ein festival, mich beschäftigt das thema atompolitik und all die
randthemen sehr. All denen, die ich kenne, die ebenfalls im wendland waren
geht es ähnlich. Was wir geschafft haben war viel mehr als erwartet, das
zeichen ist deutlich: schwarz-gelb fährt auf einer schiene, die aus einem
verrat besteht, mit einem berg aus müll im gepäck, von dem keiner weiß wohin
damit, in einem zug, den keiner kontrollieren kann und zu dem mir nicht mehr
einfällt als aussteigen und blockieren!

BuKo* fetzt total!

*Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND

Hey Igelz! Ich durfte am vergangenen Pfingstwochenende meinen ersten BuKo erleben. Im Vorfeld hörte ich so Sprüche wie: „Das muss man einmal mitgemacht haben“. Jetzt einen Tag danach und immer noch total verschlafen meine ich, das könnte jeden Monat sein! Echt ich freue mich schon jetzt auf den nächsten BuKo. Zu meinen positiven Ausstrahlungen trägt ein endlich mal arbeitsfreies Wochenende bei, wobei zum Abheben kam es nicht, schließlich kam Freitag die Meldung Pfingstmontag doch Mal zur Ausnahme auf Arbeit vorbei springen zu müssen. Trotzdem hinterließen die 2,5 anwesenden Tage ein total, zufrieden stellendes Gesamtirgendetwas. Dazu hat sicherlich auch die coole LocAtion in Göttingen- Geismar beigetragen. Die Georg-Christoph-Lichtenberg Gesamtschule bot trotz 500 IgelInnen, genügend FreiRaum für AlleS.
Freitagnachmittag, school’s out und raus. Ab Jena die günstige Direktverbindung nach Göttingen genommen, bei bestem Wetter, mal über den Antragsreader geschaut: Kapitalismus überwinden, Einschränkungen bei Alkohol und Tabak, Parteispendenlimit oder Green New Deal?-No Deal! stachen doch sofort ins Auge. Ich staunte nicht schlecht wie viele Seiten die ganzen Satzungsanträge, Änderungsanträge, Bewerbungen und allgemeine Infos doch einnahmen, mal sehn für was das Alles gut sein kann dachte ich mir…Angekommen am Bahnhof trampelte man unweigerlich anderen Igelz über den Weg um dann den Göttinger Nahverkehr zu supporten. Noch gar nicht richtig angemeldet ging auch gleich die politische Bildungsarbeit los-Die erste Workshoprunde stand an. Zur Auswahl standen fast 10 Themen. Puh was wählt man da? Alles interessant aber nun ja, erstmal langsam rantasten, Bekanntes ist da vielleicht ganz hilfreich. Ich Mensch du Tier wurde es dann. So gabs eingangs einen spannenden Vortrag über Fragen rund um die Tierproblematiken oder so was wie „Darf man Pflanzen töten?“. Anschließend Diskussionen, um das Veganer- und Vegetarierdasein und natürlich wurden auch erste gemeinsame Standpunkte aufgestellt. Da die Zeit trotzdem viel zu schnell verannte aber noch viel Stoff offen war, steht dies also bei kommenden Treffen wiederum auf der Agenda. Anschließend ging es zum Ostlandestreffen, hier konnte mensch mal die Igel der anderen Länder kennen lernen und was dort so an Tagesordnungspunkten vorhanden ist. Wir sehen uns vom 9. bis 11. Juli in Brandenburg an der Havel zum Ostkongress! Besprochen werden spezifische Probleme wie das Verkehrsnetz, Rechtsextremismus, Frauen und vieles mehr. Um Frauenrechte, Gender und Sexarbeit ging es auch explizit auf diesem BuKo, so gabs neben den Workshops auch noch extra Treffen. Letztendlich muss man sagen, dass wohl für jeden Etwas dabei war und wenn das nicht der Fall war so gab es noch einen „Open Space“ wo eigene Ideen und Themen angebracht wurden und anschließend mit Interessierten angegangen wurden, richtig gut das! Ich besuchte beispielsweise noch Workshops zum „Drogenfachgeschäft“ oder der EU und wie wir sie denn in Zukunft sehen, gleichzeitig machte ich mich mit der Vernetzung der Europäischen Junggrünen vertraut. Ich legte bewusst ein Schnuppern an, um von Allem mal etwas aufzusaugen, man kann sich natürlich auch spezialisieren, die Entscheidung liegt schließlich bei jedem selbst, ob er und wie er die „gute Schule“ der GRÜNEN JUGEND durchlebt. Interessant ist es allemal, und einige die diese Schule mitgemacht haben konnten im letzten Jahr den Sprung in die Parlamente schaffen. Neben der politischen Bildungsarbeit gab es natürlich auch noch genug andere Sachen, die den BuKo so interessant machten. Da wäre das lässige Beisammensein, gemeinsames Schlafen in den Turnhallen, was JedeR der halt will wahrnehmen kann, hier muss niemand delegiert werden! Ständig lernte ich neue Personen aus den verschiedensten Gegenden kennen, ob beim wirklich leckeren veganen Essen in der Mensa, beim „chillen“ in der Sonne oder eben auf der Party Samstagabend/Sonntagmorgen. Ein besonders schöner Moment war auch als wir gemeinsam gegen eine geplante Schnellstraße durch Göttingens Süden die „Südspange“ protestierten und hunderte schwarzer Luftballons über dem Wasserschutzgebiet, auf 500 Metern Länge aufstiegen. Am Sonntagnachmittag musste ich leider, zwecks der Heimreise, nach zwei Stunden die lebendige Mitgliederversammlung verlassen. Auch wenn es sicher nach einigen Stunden einfach nur noch nervt über Satzungserneuerungen- und änderungen abzustimmen ist es doch voll cool wie offen und frei debattiert wird und dabei JedeR das Wort ergreifen kann. Ob wir den Kapitalismus per Satzung nun abgeschafft haben weiß ich nicht, ich befürchte es fast nicht. Wenn wir aber alle unsere schon bestehenden Forderungen und Positionen umsetzen könnten, wäre es sicher diskussionswert ob dies noch als Kapitalismus zu bezeichnen ist.
Es war ein Visionskongress, und Visionen sind doch das was solch junge Menschen wie wir sie sind am Leben halten und damit auch die GRÜNE JUGEND. Es ist von essentieller Bedeutung stets neue Visionen zu fassen und ich denke in Göttingen-Geismar wurde dies in die Wege geleitet und schreit nach Fortsetzung. Wir sind nicht unwichtig oder überflüssig, denn wir haben Visionen, überflüssig ist maximal die Frage ob die Grünen noch links sind, darüber wurde schließlich auch geredet.
Also wir sehen uns schon bald wieder und vielleicht mischt sich unter die neuen IgelInnen, ja auch eineR der BuKo-Erfahrenen.
Ein leicht verträumter oder doch nur übermüdeter Igel.

GRÜNE WOCHE: Zwischen Konsumwahn und ökologischer Landwirtschaft

Zu Besuch auf der GRÜNEN WOCHE in Berlin

In Berlin findet derzeit, die alljährlich medial auch sehr bekannte, Internationale Grüne Woche statt. Bereits zum 75. Mal findet diese international renommierte landwirtschaftliche Ausstellung statt. Ich nahm die gebotene Gelegenheit wahr und besuchte die insgesamt 26 Ausstellungshallen auf dem Messegelände, in Berlins Westen.
In breiten Bevölkerungsschichten ist diese Messe auch dafür bekannt, dass man doch jede Menge Kostproben gratis angeboten bekommt und sich so ein wohliges Sättigungsgefühl einstellt, welches man durch verschiedenste „Häppchen“ erlangt. Sicherlich auch einer der Hauptgründe für die großen Besucherströme, welche die Messe jährlich, im Januar, anzieht. Im Vorfeld durfte ich erfahren, dass die Aussteller, die letzten Jahre nicht mehr ganz so gnädig waren und sich gar „erdreisten“ für verschiedene Proben Geld zu verlangen…Mir war bewusst, dass es auch etwas anderes geben muss. Ich betrat die Hallen über den Eingang Nord. Hier dann die Option nach rechts zu den Deutschen Bundesländern oder links herum wo es international wird, also links rum… Hier dann das zu erwartende Bild. Viele Stände dicht an dicht mit Landesflaggen gesäumt. Spanien, Niederlande, Kroatien, Australien, Südafrika und Co. machten den Auftakt. teilweise wurde für den Tourismus geworben, Hauptelement waren aber Speisen und Getränke en masse, ausreichend für die scheinbar kritiklos konsumierende Masse. Also Fleisch spielt hier deutlich die Hauptrunde. Edlere Sachen aber auch genug „Fleischwolfware“. So gibt es neben dem Seranoschinken eben auch eine Bockwurst, für den “fairen” Euro…Die Australier preisen neben Weinen auch Strauß und Känguru an. Die Südafrikaner klassisch mit Wein, ebenso die Belgier mit Bier und Pralines. Dazwischen versteckt dann auch mal der ein oder andere „Exot“ wie z.B. Syrien, Usbekistan oder Peru, hier sehe ich neben indianisch anmutende Schmuck auch erstmals Speisen, bei denen einen nicht das Fleisch vordergründig anlacht, sondern eher neben Reis und Kartoffeln ein Randdasein fristet. Auf in die nächsten Hallen. Polen und Frankreich sind sehr präsent. Hier kann man bei genauerem Betrachten der Stände, also nicht nur der Ess- und Getränkeauslage auch interessante Broschüren zur ökologischen Landwirtschaft in den jeweiligen Regionen finden, das Ganze auch in deutscher Sprache. Hier trifft also erstmals das ein, worauf einen die überregionalen Medien die Tage zuvor einstimmten, dieses Jahr liegt ein besonderes Augenmerk auf der ökologischen und sozialen Landwirtschaft. Weiter geht’s nützt ja nichts. Die Alpen finden nur so im vorbeigehen statt, langsam wird’s doch langweilig und wir sind erst in der dritten, vierten Halle. Hier eine Wurst, da ein Braten, die Brezel dient nur zur Deko. Ab und an mal ein Bergkäse, oh da ein Raclette, schon ein echter Hingucker hier. Wer hats gemacht? Die Schweizer…Gut ein Fischmarkt ist dann doch etwas Abwechslung aber der angebotene Kaviar lässt mich doch recht zügig voranschreiten. Es folgt das diesjährige Partnerland Ungarn, hm scharfe Sache das. Und sonst? Langos, Paprika delikat, scharf, sehr scharf, Balaton und Wein, was Neues ist das nicht…Übrigens die Proberationen, kommen doch tatsächlich keiner Vorspeise mehr gleich oder finden gar nicht statt, es geht doch! Und weiter ging es: Norwegen, ja wohl! Schon bekannte aber nicht alltägliche Dinge wie Moltebeerenmarmelade oder Brunost (brauner, süßschmeckender Käse) erfreuen mich. Daneben gibt’s auch hier sehr viel Meeresnahrung, eine Antwort auf die Fischbrötchen darf ich später am Greenpeace stand kennen lernen, bis dahin ist es aber noch ein weiter Gang. Wenigstens wird der interessanter kommt doch zunehmend unbekannter aber angenehmer Duft auf. Die Ex-Sowjetrepubliken von Armenien bis Aserbaidschan sind vertreten. Dem angeschlossen Indien, Vietnam, China, Thailand. Unbekannte Gerichte, und gar komplett ohne Fleisch werden angeboten. Am marokkanischen Stand lerne ich den Arganbaum kennen, dessen Öl mindestens genauso wertvoll wie das des Ölbaumes ist, kosmetisch, nahrungsergänzend, medizinisch einsetzbar. Der Arganbaum war heimisch im Mittelmeerraum, erlitt aber durch die Abholzungen der Griechen und v.a. Römer, gleiches Schicksal wie andere Bäume und verschwand. Er konnte sich aber nicht wieder ansiedeln. Versuche in diese Richtung, beispielsweise, von Israel scheiterten. Den Abschluss dieses Komplexes bilden die Ukraine und Russland, letzteres mit Ständen so groß wie das Land. Angekommen am Eingang Süd: Pause. Es geht abwärts zum Gartenbau, eine nette Abwechslung die Blumenbeete und andere Anpflanzungen sowie irgendeine hergestellte Verbindung zu Goethes Reisen, welche immer wieder Thema ist. Rund um Gartenbau, Heimwerk oder Haushalt und Küche gibt es einige Ausstellungshallen, mit entsprechenden Angeboten, welche aber weitgehend vernachlässigt wurden. Erneut am Nordeingang angelangt, sollten nun also die deutschen Bundesländer sich vorstellen. Als Auftakt eine reine Konsumhalle, was sich auch nicht groß änderte. Freilich gab es zu den klassischen Touristenregionen Broschüren die aber weitgehend unbeobachtet bleiben. Interessant eine Halle wo etwas zu Konzepten, speziell der Vernetzung, im ländlichen Raum angesprochen wird. Hier auch gefühlte 80 % weniger Personenaufkommen. Hier ging es um eine bessere anbindung des ländlichen raumes und die Probleme welche eine älternde Bevölkerung mit sich bringt. Daneben wurde Bioenergie vorgestellt aber auch verschiedene naturnahe Freizeitaktivitäten auf dem Lande. Kurz noch durch den Bauernhof, vorbei an Zuchtbullen, Hengsten usw. gelaufen, sollte dann der interessanteste Teil folgen. So gibt es eine Sonderschau vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, welche sich um vielfältige Innovationen in Landwirtschaft und Handel, für mehr Lebensqualität dreht. Hier erfährt man mehr über das Biosiegel und entsprechende Produkte, Anbauformen. Ich entscheide mich an einem Gewinnspiel teilzunehmen, man muss dich 6 Stempel an jeweils verschiedenen Ständen abholen, unternimmt so automatisch einen Rundgang. Dies geschieht aber nicht ohne jeweils eine Aufgabe zu lösen. Ein Rätsel über das Bio-Siegel, Gemüsesorten erkennen, Memmory mit Obstmotiven spielen oder einfach mal die Würfel sprechen lassen welche einem dann auf Bewegungsform und Ernährung hinweisen, so soll ich doch mal eine Vollkornspeise einnehmen und Treppensteigen statt Fahrstuhlfahren. Belohnt wird manche Anstrengung z.b. mit Biomöhren oder Tragetaschen. Spielerische Sensibilisierung fürs Thema, sicher eine gute Methodik. Hier wird der Besucher nicht mit Fleisch, Käse, Fisch überhäuft sondern mit Papier! So gibt es bei den zahlreichen Institutionen mehr als genug Infomaterial und im persönlichen Gespräch Anregungen. Zum Abschluss geht es dann in den Biomarkt der letzteres wiederum mit dem Essen und Trinken zusammenfügt. Hier werden Bioprodukte angeboten und verkostet, auch eine gute Anzahl an Fairtradeprodukten, v.a. Kaffee. Auf der Bühne laufen interessante Vorträge, ein Biobäcker wirbt für seine Brotsorten. Anschließend sucht man für ein Quiz dringend Freiwillige, ich stelle mich zur Verfügung. Fix werden ein paar Fragen rund um BIO beantwortet und geklärt, ich unterliege nach langem Stechen knapp. Trotzdem darf ich mit zum Gewinnstifter an den Stand, eine Kostprobe nehmen. Seit vielen Jahren ist er auf dem „BIO-Tripp“, hat ein Eiscafé mit sage und schreibe 27 verschiedenen Sorten. Ausgefallene Sachen darunter wie Japanischer Tee, Sanddorn, usw. garantiert alles Bio. Die Maracujafrüchte kommen durch eine Bekanntschaft direkt aus Afrika, zwar nicht gesiegeltes Fairtrade aber garantiert ein fairer Preis. Einige Bedenken zum Fairtrade Siegel werden diskutiert, dann geht es weiter zum zweiten Produkt. Eine Reihe edler und ausgefallener Schokoladen und Pralinenvariationen liegt da. Hoher Kakaogehalt, bestückt mit Rosen, asiatischen Salzen oder auch echtem Goldstaub, alle Zugaben durch Kontakte, aus aller Welt heran geholt. Ich darf mir noch etwas aussuchen und entscheide mich für die Bio-Chilischokolade. Nachdem dann im Fairtradecafé nochmals eine Pause eingelegt wird und ein Schokoladenpulver mit 50-prozentigem lateinamerikanischem Kakao gekauft wird, schaue ich mir die Stände der Institutionen noch an. BUND, Bundesumweltministerium, Grüne und letztendlich Greenpeace. Dort gibt es Fischbrötchen aufgehäuft, geradezu einladend um zuzugreifen. Der genaue Blick verrät aber sie sind nicht zum Verzehr geeignet, zwischen den zwei Hälften liegt eine kleine Broschüre, also doch gar keine Fischbrötchen. Man kommt ins Gespräch. Die Dame zeigt mir den Inhalt der Broschüre, welche auf gefährdete Fischarten hinweist. Mit meinem Einwand, ich esse doch gar keinen Fisch aus ökologischen Gründen, ändert sie ihre Strategie. Ich werde als potentieller Unterstützer beworben. Man erklärt mir, dass man mit massenhaften Einwendungspostkarten beispielsweise erreichen konnte, dass die Firma Landliebe keine Gentechnikzutaten mehr verwendet. Gleiches plant man bei anderen Nahrungsmittelunternehmen. Mir wird erklärt welche Marken zu wem gehören und wem man demnächst Protestpostkarten, mit Einwänden bezüglich des Herstellungsprozesses, schicken wird.
Das soll es dann gewesen sein. Auf dem Rückweg, irgendwo zwischen Tür und Tor, meint doch echt der ADAC in penetranter Art und Weise, einen noch etwas mitzugeben. Gewinnspiel komm mitmachen! Fahren sie Auto, wie viel im Jahr, was für eines, Mitglied bei uns Ja oder Nein? Ja ist sicher nur ein Gewinnspiel, es geht um 20 Euro, ein Tankgutschein. Aufgrund der Massen geht es dann mit dem Besuchertrott, gleichmäßig tretend, relativ nachdenklich über das Erlebte und Gesehene wieder heraus an die kühle Berliner Luft.

21.01.2010

Update 22.01.2010

Heute konnte ich erneut die Messe besuchen. So erfuhr ich beim Quiz der Grünen, dass man für die Produktion eines Kilogramm Rindfleisches, eine so große Wassermenge benötigt, wie ein Mensch zum Duschen im ganzen Jahr braucht. Ebenso andere Fakten zur weitgehend vorherrschenden unökologischen Landwirtschaft. Anschließend verbrachte ich einige Zeit vor der Showbühne in der Biomarkthalle. So wurde mit Schwimmstar Sandra Völker, die mit Geburt ihrer Tochter zu Bio umstieg, „es sättigt mehr“, ein Biogericht gekocht. Anschließend wurde das tägliche Quiz, von mir nur bestaunt anstatt wieder aktiv mit zuspielen. Dieses Mal gab es als Preis einige Fairetradeprodukte. Anschließend wurde noch verschiedener Fairetrade-Kaffee vorgestellt, und wie man diesen am Besten zubereitet. Plötzlich kam etwas Gewusel auf, auch füllten sich die Plätze doch merklich, des Rätsels Lösung war der Besuch von Renate Künast. Mit ihr wurde jetzt, wie jedes Jahr, wiederum gekocht und über dies und das geplaudert. So liegt eine anstrenge Woche hinter ihr, schließlich wurde gerade der Haushalt im Bundestag diskutiert. Künast, in grüner Bioschürze, griff auch mit zu, macht sie doch dies auch gern zu Hause. Das es ausgerechnet Lachs als Beilage zum Gemüse sein darf ist dann aber doch ein diskutables Vorgehen. Aber Hauptsache den Zuschauern hat das gekochte Mahl geschmeckt und nebenbei sind auch jede Menge sympathische Fotos von Frau Künast im Kasten, der anwesenden Presse gelandet.
Das wars, jetzt steht in Berlin noch das Abschlusswochenende bevor, mit weit höherem Besucheraufkommen, so dass manche getätigte Beobachtung hier schlicht unmöglich sein wird, braucht sich Mensch also nicht antun!

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